vom 15. Juni bis zum 13. Juli 2003

Nachtrag
zur Ausstellung von KUNSTBÜRO
im Kubus Hannover

Warten können, Geduld zeigen, ausharren und aushalten, das sind keine ganz schlechten Mittel, um zu überleben, wenn es uns schlecht geht. Um mit Rilke zu sprechen: „Wer spricht vom Siegen, Überleben ist alles.“ Wobei das Überleben manchmal schon so etwas wie ein Sieg ist. Oder um zu meiner Einleitung zurückzukehren, nach Venedig, zur 50ten Biennale, deren Werke so offenkundig grundiert sind von Ängsten aller Art, privaten und persönlichen wie kollektiven und allgemeinen. Der Glaube an geoffenbarte Wahrheiten, an transzendente Wahrheiten, der Glaube an ein höheres Wesen und Sein, dieser Glaube, der im Kult seinen konkreten Ausdruck findet, scheint in unserer Zeit weitgehend verloren gegangen zu sein.
Was indes überlebt hat – und das zeigen ja auch die meisten der hier vertretenen Arbeiten – sind Rituale. Das Ritual ist sozusagen der kleinere – bescheidene – Bruder des Kults. Auch das Ritual hilft gegen die Angst. Es hilft uns, unser Leben zu strukturieren. Es ist das Präventiv par excellence gegen das Unvorhergesehene. Manchmal erscheint es zwar langweilig, weil sein Wesen die Wiederholung ist. Und damit ist das Ritual auch überhaupt nicht künstlerisch. Zugegeben! Und doch ist es der Ausdruck angewandter Lebenskunst.

Michael Stoeber