Kult: Barbara Steinmeyer

vom 15. Juni bis zum 13. Juli 2003

Warten können, Plastisches Bild
2,60 m x 4,30 m
Gips, Polyester, Pigmente
2003

Wo Jürgen Scholz in seiner Arbeit sich kollektiven Verhaltensweisen zuwendet, interessiert sich Barbara Steinmeyer bei ihrer Bodeninstallation in erster Linie für ihre private und persönliche Biographie, hinter der indes ebenfalls kollektive Ängste und Sehnsüchte deutlich werden.
Der reale Kachelboden, den sie auf den Boden des Ausstellungsraumes ausgebreitet hat, erzählt wie ein orientalischer Teppich. Bilder sind in ihn eingelegt, entweder als Hoch- oder Tiefdruck. Wir sehen die Dächer eines verschneiten Dorfes, einen gefrorenen Teich, blutrot, unweit davon ein Messer. Vielleicht ist der Teich der Ort eines Verbrechens. Wir sehen auch den Eingang zu einem dunklen Keller und das Nachthemd eines Kindes, vielleicht als Hinweise auf Alpträume und Bestrafung. Dann wieder sehen wir einen Hinkelkasten, mit dem Kinder den ganzen Weg vom Himmel bis zur Hölle ausschreiten und wieder zurück. Eines dieser Kinder, es dürfte die Künstlerin sein, steht dort mit trotzig erhobener Faust. Schließlich begegnet sie uns als Fischweib. In ihrer hybriden Existenz erkennen wir ein Emblem der Kraft, die ihr zugewachsen ist im Lebenskampf und in der Anstrengung nicht nachzulassen, um am Ende ganz bei sich zu sein.
Darauf scheint auch der Titel der Arbeit hinzudeuten: „Warten Können“.