Kult: Hermann Sievers

vom 15. Juni bis zum 13. Juli 2003

Stereotyp

Holz, Metall, Karton, Kunststoff
162 cm x 77 cm x 77 cm
2003

Auch Hermann Sievers wendet sich, um noch einmal die Worte von Jens Hoff zu zitieren, „der dunklen Seite des Kults“ zu oder, wie er selbst sagt, „einer Art Negativ-Kult“, dem Antisemitismus.
Er baut eine Skulptur, ein bedeutungsträchtiges Memorial, ein Denk-mal, auseinandergeschrieben in zwei Worten, um zu demonstrieren, was der Begriff Denkmal ursprünglich meint: eine Aufforderung zum Denken. Auf einem schwarzen viereckigen Sockel befindet sich eine runde, rotgestrichene Trommel, um deren Achse eine Vielzahl von weißen Textkarten angeordnet ist. Es sind Zitate aus der abend- und morgenländischen Kultur- und Sozialgeschichte.
Sievers hat sie bei Tacitus und Goethe gefunden, bei Luther und Steiner wie im „Völkischen Beobachter“ oder im Parteiprogramm der Nationalsozialisten. Sie dokumentieren die jahrhundertealte Geschichte des Antisemitismus, aber auch, dass immer wieder in der einen oder anderen Form identische Vorurteile – positive wie negative – herhalten mussten, um Verfolgung, Vertreibung und Mord an den Juden zu rechtfertigen.
Ein deprimierendes Memorial, symbolisch in Form und Farbe. Der Kreis, der kein Anfang und Ende kennt, bleibt aber nur solange ein Teufelskreis, wie unser Gedächtnis aussetzt. Und Werke wie die von Hermann Sievers verhindern genau das.