Kult: Sigi Grunwald

vom 15. Juni bis zum 13. Juli 2003

Run for your life [Survivalaspekte]
4 MDF-Podeste, diverse Objekte
2003

Sigi Grunwald arbeitet mit gefundenen Materialien, eine Strategie, die als erster Marcel Duchamp in die Kunst eingeführt hat mit seinem berühmten Werk "Fountain" und deren Wirkung auf der Umcodierung des gefundenen Materials durch Ironisierung und Kontextverschiebung beruht.

Was von den Herstellern der diversen, uns hier von Grunwald präsentierten Survival-Produkte durchaus ernst gemeint ist, bekommt im Zusammenhang mit dem Ausstellungsthema und der Ausstellungssituation einen eminent grotesken Aspekt. Die Ideologie des Überlebens ignoriert ebenso tumb wie souverän die Fragilität und Verletzlichkeit des menschlichen Körpers und der menschlichen Existenz und huldigt einem naiven Übermenschentum.

Das demonstriert vor allem die Weinflasche mit dem trutzigen Mussoliniporträt und dem Imperativ: vincere - siegen. Obszön erscheint das Landminenspiel und naiv die Vorstellung, sich mit Seife gegen atomare Strahlung schützen zu können. Der Priesterkoffer rückt das Thema in die religiöse Nachbarschaft des Kults und veranschaulicht, dass aus katholischer Sicht das eigentliche Leben erst nach dem Leben beginnt.

Um in jenes Reich einzutreten, um also in diesem Sinne zu überleben, bedarf es der letzten Ölung. Die Utensilien dafür stellt der Priesterkoffer bereit.