Kult: K.-H. Bethmann

vom 15. Juni bis zum 13. Juli 2003

So konkret und präzise wie Hermann Sievers vorgeht, so abstrakt und anspielungsreich operiert Karl-Heinz Bethmann. Seine weiß grundierten Leinwände bearbeitet er auf dem Boden mit ausschließlich schwarzer Acrylfarbe, die er mit Hilfe von um lange Stangen gewickelten Tüchern aufbringt.

In einer komplizierten Alchemie von Auswaschung, Trocknung und Neuauftrag der Farbe kommt er dann zu seinen unverkennbaren Motiven, die aussehen, als seien sie im Druckverfahren auf die Leinwände gewandert.

Während die strikte Konzentration auf zwei Farben, Schwarz und Weiß, ein manichäisches Weltbild in Anschlag bringt - ein Weitbild also, das sich nur in Gegensätzen bewegt - heben Bethmanns Formen diesen Rigorismus wieder auf.

Sie wecken unterschiedliche Assoziationen. Sie wirken wie febrile, zellulare Strukturen; dann auch wieder gar nicht zart, sondern eher mineralisch oder wie feste Knochenstrukturen, in jedem Falle aber biomorph, organoid, naturhaft. Deshalb spricht Bethman von ihnen als Stelen, die in seinen Gipsmodellen sozusagen aus dem Bild in die dritte Dimension gewandert sind.
Aber gleichgültig ob malerisches oder plastisches Motiv:

In ihrer Naturzugewandtheit setzen Bethmanns Werke einen kultisch grundierten Kontrapunkt zu einem rationalistisch orientierten Universum.